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GALERIE KÖLN & CABINET COLOGNE, BRÜSSELER STR. 21, T +49.221.92355901, ÖFFNUNGSZEIT AKTUELL N.N.V.

GALERIE BURG LEDE BONN, AN DER BURG LEDE 1, T +49.228.71012501, AKTUELL NUR NACH VEREINBARUNG

 

KÖLN

Oskar Schmidt

centro

Galerie kÖln 22. JAnuar – 26. Februar 2021

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Die Ausstellung wird begleitet von der Präsentation eines neuen Kataloges, der im DISTANZ Verlag erschienen ist – mit Texten von Ellen Tani (A.W. Mellon Postdoctoral Fellow at Center for Advanced Study in the Visual Arts, National Gallery of Art, Washington, D.C.) und Thomas Seelig (Leiter der Fotografischen Sammlung, Museum Folkwang, Essen).

Ein Künstlergespräch über die neue Serie CENTRO zwischen Oskar Schmidt und Thomas Seelig wurde aufgezeichnet und kann innerhalb der Ausstellung gesehen oder online abgerufen werden.

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Oskar Schmidt, Garcon à la pipe (Bourbacar), 2019

 

OSKAR SCHMIDT - KORN UND PIXEL
THOMAS SEELIG, MUSEUM FOLKWANG, ESSEN
Oskar Schmidt komponiert seine Porträts und Stillleben in Centro in langwierigen analogen Schritten und überführt den Prozess erst zum Ende hin ins Digitale. Seine Bilder suggerieren in ihrer bausteinhaften Systematik von ähnlichem Bildinventar und ähnlichen Farbräumen, dass sie einen digitalen Schaffensprozess durchlaufen haben könnten. Auch wenn der Weg bis zur Belichtung des Planfilms noch analog erfolgt, so ist Schmidts mindset einer zeitgenössischen Reflexion fotografischer Prozesse ein durchweg digitaler. Die Postproduktion von Oskar Schmidts Bildern beginnt mit dem Scan des Negativs und dessen Bildvarianten. Ab diesem Moment bewegt sich der Künstler im digitalen Bildraum, und es geht um weit mehr als den schlichten Abgleich von Kontrasten und Helligkeiten. Schmidt collagiert Einzelteile der verschiedenen Zwischendaten im Cut-and-paste-Modus zu neuen Meta-Bildern, anschließend werden Übergänge geglättet und retuschiert. In einem nächsten Schritt justiert und definiert Schmidt Schärfen und partielle Unschärfen und lenkt und ordnet durch diesen unterschwelligen und kaum sichtbaren Eingriff, wohin die Augen der Betrachtenden sich richten. Die Summe der Eingriffe ist dabei weniger entscheidend, als dass das Bild in seiner Gesamtheit stimmig und glaubwürdig erscheint.

Schmidt überschreibt in vielen seiner Werke bekannte Gemälde der Kunstgeschichte in die Gegenwart des Fotografischen. Bei dem Bild eines Mädchens mit Fächer beispielsweise bezieht er sich auf Pablo Picassos Femme à l'éventail (1905) sowie Jeune fille à l'éventail (1902) von Paul Gauguin, wobei letzteres Bild der Sammler und Gründer des Museum Folkwang Karl Ernst Osthaus (damals in Hagen beheimatet) 1904 erworben hatte. Körper- und Handhaltung, Blickrichtung, das Accessoire des Fächers und auch der abstrahierte, einfache Hintergrund sind bei Schmidt Anleihen an das mehr oder weniger latente Wissen um das gemalte Vorbild, das heute vor dem Hintergrund des damaligen Kolonialismus auch kontrovers gelesen werde kann. Interessanterweise hatte Gauguin sein Werk selbst von der schwarzweißen Fotovorlage seines Künstlerfreundes Louis Grelet aus dem Jahre 1901 abgeleitet. In der Fotografie schaut die 14-jährige Tohotaua (sie ist die Frau seines Kochs) in die Kamera. Hinter ihr sind das angedeutete Muster einer Tapete und einige gerahmte Bilder zu sehen. Mit ihrem abwesenden und fast leeren Blick schaut sie nicht nur durch den Betrachtenden hindurch, sondern auch in die Ferne außerhalb des Bildraums. In der gemalten Version entleert und verdichtet Paul Gauguin das Bild in gleicher Weise. Schmidts Strategie zielt auf einen ähnlichen Punkt der Überhöhung, an dem eine gereinigte und gesäuberte Version eines fotografischen Bildes entsteht. Die konzeptuelle Glätte spiegelt sich in Details wie Haut und Haaren oder den weichen Schattierungen der Kleidungsstücke. Sie führt aber weiter bis zur absolut makellosen Oberfläche des fotografischen Abzugs und die mit bloßem Auge kaum mehr zu erfassende Textur von Korn und Pixel.

Text: Thomas Seelig, Leiter der Fotografischen Sammlung, Museum Folkwang, Essen
(Auszug aus Korn und Pixel; in: Oskar Schmidt, Centro, DISTANZ Verlag, Berlin, 2020)

 

 

BONN

detlef orlopp

fragmente

  

GALERIE BONN 18. OKTOBER – 26. FEBRUAR 2021 (BESUCH NACH VEREINBARUNG)

   

Detlef Orlopp, o.T. (Fragment), Silvia S. 16.7.1997, Rovenia B. 9.9.2014, 2019, vintage, gelatin silver print collage, 25,1 x 27,4 cm

 

"(…) Das Fragment ist eine Möglichkeitsbedingung der Fotografie. Am Fragment hat sich die Fotografie zu bewähren. Im Fragment hat die Fotografie ihren ureigensten Gegenstand gefunden. (…) Die Fotografie, die, wie gesehen, ihrerseits genuin Fragment ist, wird dadurch, dass sie Fragmente zu ihrer Darstellungsweise macht, nicht nur zur Probe und Reflexion der Fotografie, sondern darüber hinaus zu einer der Ästhetik, der Wahrnehmung und des Denkens. (…) Detlef Orlopps Fragmente sind unruhige Bilder. Sie ruhen nicht in sich, sie sind nicht abgeschlossen und selbstgenügsam, sondern drängend und atmend, oszillierend und fordernd. Sie sind immer auf dem Weg zu Form und Gestaltung und pulsieren doch durch die Unruhe der Materie, die sich in das tiefe Schwarz und lichte Weiß der Orloppschen Fotografie verwandelt hat. (…)“ Text: Bernd Stiegler, 2020