Philipp Goldbach untersucht in seinen Arbeiten Ordnungen des Wissens im medialen Wandel. Er überführt im Verschwinden begriffene Trägermaterialien in neue ästhetische Erfahrungen, und macht Strukturen, Speicherprozesse und die Mediengeschichte selbst zum Thema seiner Installationen, Objekte und Bilder.
In dem gemeinsam mit Steffen Siegel realisierten Werk der Serie „Lossless Compression“ steht die Diathek von Andreas Krase im Zentrum. Krase lehrte von 1985 bis 1992 Fotogeschichte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und baute dort eine Diathek auf, die als leise Störung der diskursiven Ordnung der DDR lesbar ist. Trotz staatlicher Zensur und Bildpolitik bewahrte sein Archiv auch Reproduktionen aus westdeutschen Kunstbänden von den Anfängen der Fotografie bis in die 1970er Jahren und widersetzte sich durch ein latentes Gegenwissen der selektiven Logik des offiziellen Diskurses. Goldbach und Siegel zeigen in einer minimalistisch anmutenden Installation die nummerierten und beschrifteten Diakästen zusammen mit einem Glossar, das die hinter dieser Sammlung wirksamen Arbeitsprinzipien entfaltet.
Helena Weber, Leiterin des Rheinischen Bildarchivs und Philipp Goldbach über das Artist Meets Archive Projekt „Image Cycle“ anlässlich des Umzugs des RBA, das dieses Jahr 100jähriges Bestehen feiert, mit anschließender Führung im Archivneubau, Mi. 6. Mai 2026, 18 Uhr (Vortragssaal des Rheinischen Bildarchivs)
Künstlergespräch mit Katja Müller-Helle, Leiterin der Forschungsstelle “Das Technische Bild” am Institut für Kunst- und Bildgeschichte und am Institut für Kulturtechnik an der Humboldt-Universität zu Berlin und Mit-Herausgeberin der “Bildwelten des Wissens”, So. 17. Mai 2026, 12 Uhr, Burg Lede, Bonn
In Bonn kehrt „Image Cycle“ zurück an seinen Entstehungsort. 2021 errichtete Goldbach in Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Bildarchiv im Rahmen von Artist Meets Archive der Photoszene Köln eine Wand aus 3906 ausgemusterten Archivkartons im trockenliegenden See im Garten der Burg Lede. Das 1926 gegründete Rheinische Bildarchiv war 2020/2021 im Begriff seinen Standort an den Eifelwall in einen Archiv-Neubau zu verlegen. An diesem Schwellenmoment setzt „Image Cycle“ an. Über ein Jahr wirkte die umgebende Natur auf die Archivkartons ein und Goldbach hielt den zunehmenden Verfall in einem atmosphärischen Bilderzyklus fest. Ein Mittelformat-Projektor wirft die Landschaftsfotografien im Wechselspiel mit Aufnahmen der Restauratoren beim Leeren der Kartons im Rheinischen Bildarchiv an die Wand, und macht so auch den früheren Inhalt der Archivboxen sichtbar.