Mit In Suspension untersucht Kim-Camille Kreuz (geb. 1999 in Traunstein, DE) zeitlich fragile Zustände von Sichtbarkeit. Flüssiges Paraffinwachs wird in Rahmen gegossen. Solange es warm ist, wirkt seine Oberfläche reflektierend und spiegelt die Atelierumgebung fragmentiert. Die transienten Konfigurationen lösen sich mit dem Abkühlen auf und entziehen sich. Kreuz hält diesen kurzlebigen Zustand aus wechselnden Perspektiven fotografisch fest. Sobald das Wachs ausgehärtet ist, wird die Fotografie zurück auf seine Oberfläche gedruckt und damit an ihren materiellen Ursprung zurückgeführt. Der Träger fungiert hier nicht als neutrales Substrat, sondern ist Bedingung der Bildentstehung. Variationen in der Pigmentierung verschieben dabei die Schwelle der Lesbarkeit. Je dunkler das Wachs, desto stärker entzieht sich die Darstellung einer gegenständlichen Klarheit und verdichtet sich zu Konturen und Lichtwerten. Sichtbarkeit ist nicht vorausgesetzt, sondern materiell und graduell bestimmt. Es bleibt eine Oberfläche, die die Erinnerung an ihr Werden trägt.
Kim-Camille Kreuz lebt und arbeitet in Düsseldorf. Ihre künstlerische Arbeit untersucht Spuren, Abdrücke und materielle Präsenz. Ausgehend von gefundenen Objekten sowie fragmentarischen, seriellen Anordnungen erforscht sie Konzepte von Reproduktion und Stellvertretung, oder das Verhältnis von Original und Kopie. Sie hat einen Bachelor in Design und Innovation und studiert derzeit Freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf bei Ed Atkins. Zudem hat sie ein Auslandssemester an der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris gemacht, wo sie bei Claude Closky und Dove Allouche studierte. Kreuz versteht Bilder nicht als Repräsentationen, sondern als Belege oder Stellvertreter. Trotz präziser formaler Sprache bleibt eine körperliche Präsenz wirksam, die sich über Materialität und räumliche Setzungen vermittelt. Neben ihrer künstlerischen Praxis ist Kreuz auch als Kuratorin tätig. Ihre kuratorische Arbeit ist eng mit ihren eigenen künstlerischen Fragestellungen verbunden und geht mit einer ausgeprägten Aufmerksamkeit für kontextuelle und formale Beziehungen im Ausstellungsraum einher. Im Jahr 2025 wurde sie für ihre Serie I can’t tell you right now mit dem Carte Blanche Students Prize der Paris Photo ausgezeichnet.