QUELLEN BURG LEDE

1913

Dr.-Ing. Rosintal, Die Burg Lede bei Beul a. Rh. - Wieder aufgebaut von Prof. W.  Franz, Charlottenburg, in: Der Baumeister, Halbmontashefte für Architektur und Baupraxis, Callwey Verlag München und Berlin, Oktober 1913, XII.  Jahrgang, Heft 2, Beilage (Bem.: zweiseitiger Artikel mit fünf Fotografien und zwei Grundrissen)

Die Burg Lede beim Dorfe Vilich (unweit Bonn, an der elektrischen Bahn nach Siegburg) ist wahrscheinlich um 1360 von dem Ritter Johann Schilink von Vilich erbaut; sie kam 1716 an das Stift Vilich und wurde nach Aufhebung des Klosters vom Staate verkauft. Seit 1904 ist sie im Besitze des Direktors Weinlig in Dillingen, der sie durch Pof. W. Franz, Charlottenburg, zu einem großen Landhause ausbauen liess.

Der alte Bau erhebt sich auf einem quadratischen Unterbau mit 1,70 m starken Umfassungsmauern aus Basalt. Die Fenster uns Schiessscharten sind mit Werkstein eingelasst und z. T. gut erhalten. Nach Norden springt ein starker viereckiger Turm vor, der die Zugbrücke aufgenommen hat; er wird als der älteste Teil der Anlage angesehen. In dem oberen Teil seiner erhaltenen Westseite befindet sich ein rundbogiges, abgefastes Doppelfenster mit vierkantigem Mittelpfosten; etwas tiefer sind spitzbogige Blendbögen für die Schiessscharten mit zwei steinernen Ecksitzen zu beiden Seiten. Der Burg gegenüber, jenseits des Wassergrabens, lag die Vorburg, deren Fundamente nachzweisen sind. Auf ihrer Stelle ist neuerdings ein Blumengarten mit einem Wasserbecken angelegt. Der Zugang zur Burg führt von der Landstrasse durch ein Portal aus Trachyt aus der Zeit um 1200, das im vorigen Jahrhundert aus Heisterbach im nahen Siebengebirge hierher versetzt worden ist, durch einen Garten zu der schmalen steinernen Brücke, die mit 3 gedrückten Rundbogen einen Wassergraben überspannt.

Bei dem Umbau wurde von einer Rekonstruktion von vornherein abgesehen, aber alle brauchbaren alten Mauerteile wurden benutzt, um mit möglichst geringer Zutat und unter Wahrung des ursprünglichen Charakters die neue Aufgabe zu lösen.

Die Hauptformen des Grundrisses und die Gruppierung der Räume um einen Innenhof waren durch den alten Bau gegeben, auch für die einfache Aussenarchitektur war das Hauptsächlichste festgelegt. Kragsteine, Fenstergewände, Gesimse und die gelegentlich in die Mauern eingefügten Schmuckstücke bestehen fast durchweg aus altem Material, das beim Ausgraben des verschütteten Untergeschosses gefunden wurde. Auch für das in einfachsten Formen gehaltene Dach wurde das noch brauchbare Vorhandene benutzt; auf der Ostseite konnte das graue Ziegeldach ganz im alten Zustande belassen werden. Zur Belebung des Aeusseren wie zur Raumerweiterung wurde an der Süd- und Ostseite Erker angefügt, die oben mit Altanen abschliessen.

Turmrest und Brücke sind unverändert geblieben. So ist der malerische Reiz der ganzen Anlage und namentlich auf der Nord- und Westseite das alte Bild fast unberührt erhalten. Das Untergeschoss, zu dem eine neue Brücke auf der Westseite führt, ist durch einen langen Gang in 2 Teile zerlegt. Es enthält die ausgedehnten Wirtschaftsräume und im Unterbau des alten Turmes einen Weinkeller, über dem einen offene Terrasse angelegt ist. Am Ende des Kellerganges führt eine Treppe zum Erdgeschoss.

Über die alte Brücke und den Innenhof gelangt man in eine geräumige Diele, von der alle Räume des Erdgeschosses, Bureau, Herrenzimmer, Emfangszimmer, Speisezimmer und Bibliothek, zugänglich sind. Letztere ist ein höchst stimmungsvoller Raum mit kleinen Fenstern in tiefen Spitzbogennischen, mit steinernen Fenstersitzen und einem Steinkamin. Im ersten Obergeschoss sind die Wohn- und Schlafzimmer und die Arbeitszummer der Kinder; im zweiten mehrere Fremdenzimmer, Kinderspielzimmer, Waschküche und Bügelfenster. Das Stallgebäude ist mit den alten Umfassungsmauern in Verbindung gebracht und gleichfalls in den Formen der Burg z.T. aus altem Steinmaterial hergestellt.

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1932

Familien-Geschichte von Claer, verfasst in den Jahren 1929 bis 1932 von Alexander von Claer, München, neu aufgelegt Frankfurt am Main 1979, Exemplar Nr. 35. Quellen: Das Familienarchiv mit zahlreichen Original-Urkunden und sonstigen Schriftstücken. Von den wichtigsten fertigte Alberg v. Claer, geb. 1836, gest. 1904, Abschriften, die er in einem "Convolut" (im text "Conv.") gesammelt hat. (...) Bermerkungen zu den Quellen zu 1: Das "Convolut" des Albert v. Claer wurd vin ihm mit großer Sorgfalt, z.T. unter Nachbildung der alsten Schrift, angefertigt. Die Auswahl traf er im Verein mit seinem um die Familienforschung hochverdienten Bruder Eberhard (II) v. Claer. Letzterer hat sich als Geschichtsforscher udn Genealoge einen geacheten Narmen erworben. Im "Hand- und Adreßbuch der Genealogen und Heraldiker" von Alfred von Eberstein, Berlin 1889, 1. Abt. S.31 heißt es: "von Claer Eberhard: Vielfache Veröffentlichungen über Geschichte der Stadt Bonn und des ehemaligen Kurfürstentums Cöln in den "Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein". Das "Convolut" enthält sonst noch Nachrichten über besondere, die Familie angehende Ereignisse aus neuere Zeit, über das Leben einzelner Familienmitglieder, Zeitungsartikel, Anzeigen, Narchrufe usw. Es schließt etwa mit dem Jahre 1900 ab. Anhang 14: Fotografie Burg Vilich ("Haushof) bei Beuel am Rhein, von 1869 bis nach 1904 in Familienbesitz (Aufnahme vermutlich vor dem I. Weltkrieg)

S. 135, Alexander (I) de Claer, (...) Kurkölnischer Hofrat (...) Am 30. November 1730 vermählte er sich mit Maria Agnes aus dem Patriziergeschlecht der Schevastes.

S. 192f, Im Jahre 1825 vermählte sich Franz Bernhard d. Claer, vierzigjährig, mit einer entfernten Verwandten, Barbara (Babette) Pfingsten. Die Pfingsten stammten aus Mayen und waren mit den Schevastes, deren Vilicher Gut sie erbten, verwandt. Babettes Großvater, der Geheime Cabinetsrat des Kurfürsten Maximilian Franz von Cöln und Oberappellationsgerichtsrat Johann Clemens Pfingsten wurde vom Kurfürsten, der ihn zu diplomatischen Diensten verwandte, in den erblichen Adelsstand erhoben.  (...) Er war vermählt mit Barbara Elisabeth Petronella von Parmentier zu Sternenfels, der Schwester des Canonicus von Parmentier. Nachkommen des GEheimrats nahmen den Adelstitel auf, so seine Tochter Maria Magdalena, die in erster Ehe mit dem Instruktionsrichter am Bonner Tribunal Caspar Anton von Mastiaux zu Neuenhoven, in zweiter Ehe mit dem Appellationsrat Ernst von Schiller, vermählt war.

Des Geheimrat Pfingsten Sohn, Gabriel Clemens, Babette de Claer's Vater, wurde (...) 1815 im Preußischen Dienst als Verwalter der Königlichen Domänen in Mülheim a/Rhein angestellt. Als die Mülheimer Verwaltung 1823 aufgelöst wurde, nahm er als Königl. Dömänen-Rentmeister 1823 den Abschied und zog auf sein Landgut nach Vilich, wo er später das Amt eines Bürgermeisters und Kreisdeputierten übernahm. Er war in erster Ehe vermählt mit einer Oppenhoff, Babette de Claer's Mutter. Ihrer Familie entstammt eine Anzahl hervorragender Justisten. (Darunter befanden sich der langjährige Oberbürgermeister von Bonn (um die Mitte des 19. Jhs.) Pfingsten starb 1857. Nach seinem Tod ging der alte Schewasteshof in Vilich auf seine zweite Tochter Clementine über, die sich mit Fritz Bleibtreu, dem späteren Oberlandesgerichtspräsidenten von Elsaß-Lothingen, vermälte.

S. 198ff. ... Mit Schillers Sohn Ernst, der die verwitwete Frau von Mastiaux, geb. Pfingsten, geheiratet hatte, stand Franz Bernhard und seine Gattin in regen verwandtschatlichen Beziehungen. Schiller, der im rheinischen Justizdienst angestellt war, hatte in dem ländlichen Vilicher Kreis bei seinem SChwager Pfingsten, Franz Bernhards Schwiegervater, einen neue Heimat gefunden. Er hatte die schwache Gesundheit seins großen Vaters geerbt und verließ häufig seinen Amtssitz Cöln, um in dem alten Schevasteshof ERholung zu suchen. Dort hat sich auch seine Mutter Charlotte, geb. v. Lengefeld, wenn sie von Weimar zzm Besuch des Sohnes an den Rhein reiste, wiederholt aufgehlaten. Sie starb 1826 in Bonn nach einer Augenoperation und wurde auf de alten Bonner Friedhof hinter dem Sterntor beigesetz.

Kurz vor Ernst Tod drängte es den von Ärzten Aufgegebenen, gleih seinem Vater an Lungenschwindsucht Leidenden, in die lndliche Stille zu den Vilicher Verwandten, wo e ram 19. Mai 1841 verschieden ist. Die Verwandten, darunter auch Ernsts älterer Bruder Karl von Schiller mit seinem Sohn, des Dichters einzigen Namensenkel, geleiteten die sterblichen Überreste nach Franz Bernhards Haus am Münsterplatz in Bonn, von wo sich der Leichenzug unter groartiger Beteiligung der Bevölkerung aller Schichten nach dem alten Friedhof in Bewerbugn setzte. Dort wurde Ernst von SChiller, wie es sein WUnsch war, an der Seite seiner Mutter bestattet. Die Bonner Studentenschaft war vom Rektor, Ernst Moritz Arndt, durch folgende Bekanntmachung am schwarzen Brett zu der Feier aufgeboten wurden: (...)

Zum Andenken an Ernst von Schiller hat der Vilicher Gemeinderat die alte "Schultheisstraße", an der das Sterbehaus, der Schevasteshof, sich mit stattlichem Garten hinzieht, 1897 in "Ernst von Schiller Straße" umbenannt. Briefe Ernst von Schiller

S. 203, (...) durch Erbfall an Franz Bernhards de Claer's Witwe Babette, (...) Sie erwarb ferner den größten Teil des Erbviertel Ihres Bruders 1876 durch Ankauf. Vorher (1869) war die Burg Vilich ("Haushof") mit zugehörigen Äckern, Wiesen, Wieden und Büschen angekauft worden. ... In der Folge ging der Grundbesitz durch Erbteilung und aus sonstigen, nicht immer zu billigenden Gründen mehr und mehr zurück, bis die Nachkriegszeit fast die letzten Spur davon tilgte. (...)

Der Ehe Franz Bernhards d. Claer entstammten fünf Söhne: Alexander, geb. 1825, Otto, geb. 1827, Eberhard, geb. 1829, Albert, geb. 1835, Ernst, geb. 1841. (...) Am 16. März 1853, im 68 Lebensjahr, erlag Frank Bernhard seinem schweren Leiden.

S. 230ff. 3. Eberhard, Franz Bernhards dritter Sohn Eberhard (II) Carl Josef wurde ma 20. Oktober 1829 in Bonn geboren. Nach Absolvierung des dortigen Gymnasiums studierte er an der Bonner Universität die Rechte; gleich seinen Brüdern Aleander und Otto wurde er bei den "Pfläzern" aktiv. (... "Kaiser Friedrich als Student" ...)

Nach Beendigung seiner Studien wurde Eberhard als Auskultator am Kammergericht zu Berlin angestellt. Hier befiel ihn ein schwers, wie sich bald herausstelte, unheilbares Gehörleiden, das ihn an der weiteren Ausübung seines Berufes hinerte und ihn zwang, sich in das Privatleben zurückzuziehen.

In philisophischer Ergebung in ein unabänderliches Geschick, aber mit dem festen Willen, seine Fähigkeiten zu verwerten, ergriff er das Studium der historischen Wissenschaften mit dem Ziel, sich als Schriftsteller auf dem Gebiet der Heimatkunde zu betätigen. Sein Sondergebiet wurde die Geschichte seiner Vaterstadt, ihrer näheren und weiteren Umgebung. Die für die ältere Zeit so bedeutsamen geistlichen Ämter und Anstalten Bistümer, Abteien, Stifter, Kirchen, Klöster waren neben der Genealogie und den Besitzverhältnissen rheinischer Adels- und Patrizier-Geschlechter ein Hauptgegenstand seiner Forschung. Der Erfolg seiner über über vierzig Jahre fortgesetzten Arbeit war, da´sein Name mit der Geschichtsforschung seiner engeren Heimat für immer verbunden ist.

(...) Besonderes Ansehen genossen seine in den "Annalen des historischen Vereins für den Niederrehin" erschienenn Artikel. Uns, seiner Familie, wird seine Wirken besonders anschaulich durch die Niederschriften, Abhandlungen, Promemoria's, Notizen usw., die sich von ihm in größter Zahl im Familienarchiv befinden. Sein unbeirrbares Streben nach Wahrheit, das jede Behauptung mit der Quellenangabe belegt, das aus jeder Zeile seiner feinen, ruhig fließenden Gelehrtenschrift spricht, wurde von der Fachkritik rückhaltlos anerkannt.

(...) im Nachruf eines Freundes, der, wie er Geschichtsforscher, sich dem Dahingeschiedenen für mannigfache Unterstüzung verpflichtet fühlte. Es heißt darin (Bonner Volkszeitung, Nr. 498 vom 16.12.1899 (1. Blatt): "... Eine Reihe von beachtenswerten, sorgfältig ausgearbeiteten Aufsätzen in den Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein und anderen Fachzeitschiften enthalten die Resultate seiner Forschung. Ihre Zahl würde noch größer sein, wenn ihn nicht eine übergroße Peinlichkeit und Exaktheit bewogen hätte, vieles als noch unfertig und der Ergänzung bedürftig zurückzuhalten, was recht gut der Öffenltihckeit hätte übergeben werden können. Bis zum Ende seines Lebens hört er nicht auf, mit unermüdlichem Fleiß Material zusammenzhäufen Exzerpte, Urkunden, Literatur aus alter und neuer Zeit wußte er von weit abseits liegenden Quellen herzuschaffen. So bracht er in seinem Wohnsitz Burg Vilich ein ARchiv zusammen, welches für das Gebiet, welches es umfaßt, von Privatarchiven das bedeutendste genannt werden muß.

Unähnlich so manchen Forschern, die ihr Material für sich zurückhalten, stellte Eberhard von Claer seine Sammlungen jedem Ineressenten mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit zur Verfügung. Es gibt kaum eine Publikation über eine Frage, die sein Gebiet berührt, zu der er nicht of sehr wertvolle Beiträge geliefert hat, und immer und immer wieder stößt man in ihnen auf den Vermerk, daß der Verfasser ihm für solche zu tiefem Dank verpflichtet sei. So lag das, was selsbt zu veröffentlichen er sich nicht entschließen konnte, nicht ungenutzt da, sondern fand an anderer Stelle seine Verwendung. Und so war die stille Burg zu Vilich der Mittelpunkt eines gesitgen Austauchs, von dessen Umfang Fernerstehende nichts ahnten."

(...)

Eine rege Tätigkeit entfaltete Eberhard auch im Bonner "Arndt-Hause", das der Dichter und Freiheitssänger Ernst Moritz Arndt während seiner langjährigen Bonner Lehrtätigkeit bewohnt hatte, in welchem er auch verstorben ist . Hier unterstand die reichhaltige Bibliothek, zu der die Büchersammlung des Dichters den Grundstock geliefert hatte, Eberhards Obhut.

(...)

Der an regem geselligem Verkehr auf so traurige Weise behinderte war unvermählt geblieben. Als nach dem Tode der Mutter (1884) mehrere Miterben auf den Verkauf des Grundbesitzes, darunter der Burg Vilich ("Haushof"), drangen, entschloß er sich mit seinem Bruder Albert, die Burg zu übernehmen in der Absicht, sie im Familienbesitz zu erhalten. Beide siedelten im Frühjahr 1890 dorthin über.

Burg Vilich war im Jahre 1869 von Franz Bernhards Witwe, Babet d. C., erworben worden (s.S. 203). Ist somit auch keine direkte Famlientradition mit der Burg verbunden, hat sie doch durch ihre Nachbarschaft und jeweiligen Bewohner während zweieinhalb Jahrhunderten dem uns verwandten Schevastes-Pfingsten'schen Kreise nahe gestanden. Die Rücksicht darauf mag in Eberhard und Albert den Wunsch erweckt haben, außer dem Königswinterer Famlienbesitz zu erhalten, welchem Wunsche der Überlebende der beiden Brüder, Albert, in letzwilliger Verfügung Ausdruck gab (s. S. 239/240).

Wegen dem am Vilicher Boden und an der Brug haftenden Erinnerungen sie letzterer hier beschrieben, so wie sie der Besucher zu Eberhards eit sah und wie sie dem Verfasser aus seiner Jugendzeit noch deutlich vor Augen steht. Die von einem späteren Besitzer ausgebaute, vielfach veränderte Burg war damals noch der Typ einer mittelalterlichen Wasserburg, wie er sich am Niederrhein, in Westfalen und den Niederlanden öfters findet. Sie war von einem inzwischen zugeschütteten Wassergraben umgeben, an dessen Rand hohe Pappeln standen. Über den Graben führte anstelle der alten Zugbrücke eine gemauerte Brücke mit bogenförmigen Wasserdurchlässen. In älteren Zeiten war die Burg der Wohnsitz des Vogtes gewesen, eines Ritters, den der Oberlehnsherr, der Erzbischof von Cöln, zum Schutz des Vilicher Damenstifts eingesetzt hatte. In Zeiten von Gefahr und Kriegsnot verließ die Abtissin mit ihren Damen das Kloster und nahm in der Burg Zuflucht.

Hatte man die Brücke überschritten, öffnete sich der viereckige Burghof, um den sich die Wohngebäude lagern. Der Flügelbau links, der zwistöckige, wohl ältestet erhaltene Teil der Burg mit der Eingangstüre (Über der Tür ließen Eberhard und Albert das Familienwappen anbringen), wir dem Vogt und seinen Leuten zur UNterkunft gedient haben. Geradaus der sich rechtwinklig anschließende, wohl früher nur durch den vorgelagerten überdachten Gang zugängliche (Die Verbindung zwischen dem stockwerk-ungleichen linken Flügel- und dem Mittelbau wurde wohl erst später aus Wohnlichkeitsrücksichten hergestellt.) breite Mittelbau mit dem – nicht mehr vorhandenen – Flügelbau rechts nahm vermutlich die Stiftsdamen und dienenden Schwestern auf. Sein oberes Stockwerk gehört offenbar einer späteren Bauzeit an. Vom Flügelbau rechts, ursprünglich wohl einem Paralelbau zum Linken Flügel, standen nur noch Überreste, darunter die kahle Innemauer mit dem romansichen Doppelfenster (Man kann daraus auf das hohe Alter der Burg schließen).

Verfallen war auch der an den rechten Flügel anschließende vermutlich niedrige Bau auf der vierten (kurzen) Rechtecksseite (neben dem Zugang von der Brücke). Der hier früher vorhandene bedeckte Raum nahm zweifellos die Wache auf, die von da zur Abwehr eines Angriffs schnell zur Hand war. Hier fehlten Außen- und Innemauer; letztere endete ruinenhaft mit einem Mauerstumpf. Es war ein glücklicher Gedanke, diesen über einige Stufen zugänglichen Raum der alten Wachstube, der gegen den Graben durch eine niedrige Mauerbrüstung abgeschlossen war, in einen offenen Freiplatz, eine Art "Altan" zu verwandeln, ein lauschiges Plätzchen voll fiener stimmung, gleich geeignet zu beschaulicher Selbsteinkehr wie zu vertrauter Aussprache und fröhlihcem Umtrunk mit lieben Gästen, die gerne hier weilten. Die ehrwürdigen Baureste, Zeugen längst entschwundener Zeit; die Mauerruine mit dem sandtsteinumrahmten uralten Doppelfenster, endend in den efeubewachsenen Mauerstumpf; der Burghof, in welchem Lorbeer-, Oenader- und Granatbäume in Kübeln umherstanden; das zunzugängliche, geheimnisumitterte Burgverließ und – nicht zuletzt – die beiden Insassen der Burg, den alten Rittern, die einst hier hausten, vergleichbar und oft verglichen, betreut von "Grethchen", der alten, fünfzig Jahre im Famliendienst aufgegangenen Dienerin – all dies verband sich im Zusammenkalng zu einem seltenen stimmungsvollen Bild es "Es war einmal", zeit- und räumlich weltenfern von der unweit am lebendurchglühten Rhein sich abhastenden Gegenwart.

Der Schutz, den Burg Vilich in der amtlichen denkmalpflege des Rheinlandes genießt, hat sich nach späterem Besitzwechsel nicht vor einem Umbau bewahrt, durch den sie wohl an Wohnlichkeit gewonnen, dafür aber viel von ihrem einheitlichen stimmungsvollen Charakter eingebüßt hat.

In der geschilderten Umgebung floß Eberhards stilles Gelehrtendasein dahin, hier endete am 13. Dezember 1899 sein arbeitsreiches Leben. Er ist an der Seite seines ihm veir Jahre später im Tode folgenden Bruders Albert auf dem Friedhof an der Vielicher Kirche bestattet.

In dem bereits erwähnten Nachruf einse Freundes (s. S. 233) heißt es zum Schluß: "Eine heitere rheinische Natur, oft voll schalkhaften Humors, empfand der Dahingeschiedene seine Leiden, welchs seinene näheren Verkehr auf einen nengen Kreis beschränkte, doppelt schmerzlich,. Manches stille Opfer der Entsagung hat er da bringen müssen. Wo er aber dabei war, entzückte er die Anwesenden ebenso sehr dadurch seine liebenswürdige Anspruchlosigkeit als durch die Dankbarkeit, mit der er die kleinen Aufmerksamkeiten vergalt, die man ihm erwies. So war er ein gern gesehener Gast in den Kreisen, in denen er erschien, und seine Freunde mfpinden läßt. er war ein durchaus edler, feinfühlender Charakter und treuer Freund."

Die Nachfarhen werden Eberhards (II) Verdienste um die Familienforschugn nicht vergessen und sein Andenken als das eines vobrlidlichen Chrakters und Edelmannes hochhalten. Er war einer der Besten unseres Geschlechts.

4. Albert, Franz Bernhards vierter Sohn Albert Hermann Josef Philipp Heinrich wurde zu Bonn am 15. Juli 1835 geboren. er besuchte erst das Bonner Gymnasium; später, vom Vater zur Verwaltung des Famlienbesitzes bestimmt, die landwirtschaftliche Schule in Lutter a. Barenberge im Braunschweigischen. Nach dem Tod des Vaters 1853 übernahm er die Bewirtschaftung des Besitzes, der durch die sparsame Verwaltung des Vater ansehnlich vergrüßert, sich 1857 durch das Pfingsten'sche Erbe der Mutter und 1869 durch die Erwerbugn von Burg Vilich ("Haushof") noch vermehrte. Der von Albert zu verwaltende Besitz umfaßte somit das Königswinterer und das Bonner Haus, das weingut zu Köngiswinter, die dortigen Ländereien (Felder, Wiesen, Büsche) Länderein bei Vilich, Vilich-Müldorf udn Menden, Burg Vilich mit dazugehörigem Land und Fischweiher an der Sieg.

Von der Mutter praktisch wirtschaftlichem SInn unterstützt, widmete sich Albert mit voller Hingabe un der vom Vater ererbten Sprasamkeit der ihm zugefallenen Aufgabe. Da er sich nicht vermählte, blieb er im Bonner Hau bei der Mutter, der er bei zunehmendem Alter und Gebrechlichkeit bis zu ihrem Tod 1884 als liebevoller SOn zur Seite stand. Seine higebende Pflege half der im achtzigsten Jahr durch Schlagfluß Gelähmten die letzten schweren Jahre tragen.

Al nach ihrem Tode ein Teil der Erben auf den Verkauf des Familienbesitzes drang, erwarb Albert mit seinem Bruder Eberhard Burg Vilich aus der Erbmasse in der Absicht, diesen Besitz der Famlie zu erhalten. Im Frühjahr 180 sidelte er mit dem Brider dorthin über. Die Verwaltung dse sich durch Verkäufe allmählich verringernden Famlilienbesitzes blieb noch in seiner Hand.

Ein aufrichtiger, biederer Chrakter, von starkem Familiensinn und regem Interesse für die Familienforschung erfüllt, leistete er seinem Bruder Eberhard bei dessen Forschungen nach Ursprung und Geschichte der Familie wertvolle Hilfe. Ein beosnseres Verdienst erwarb er sich durch die Anlge des "Convoluts", der Sammlung von ihm gefertigter Abschriften der wichtigsten Famliendokumente.

Auf der Burg stand Albert dem durch Taubheit und zunehmende Kränklichkeit behinderten Bruder bis zu dessen Ableben 1899 treu zur Seite. Albert starb am 14. April 1904 und wurde an der Seite seines Bruders Eberhard auf dem Vilicher Friedhof bestattet.

In seinem letzten Willen, Burg Vilich, den 2. März 1900, heißt es zum Schluß: "Von den Erben erwarte ich, daß sie dahin streben, in pietätvoller Weise den noch vorhandenen, über 220jährigen Familienbesitz in Königswinter zu erhalten, namentlich, wenn irgendwie möglich, das dortige alte, an der Hauptstra0e gelegene Familienhaus; imgleichen die Burg Vilich, genannt "Haushof" nebst den umherliegenden Gründstücken."

5. Ernst, Franz Bernhrds jüngster Sohn Ernst (I) Caspar Philipp August wurde am 8. März 1841 in Bonn geboren. Sein Rufnahmen erhielt er nach seinem wenige Montae später verstorebnen Parten Ernst von Schiller, dem zweiten SOhn des Dichters. Nach Absolvierung des Bonner Gymnasiums trat Ernst im Oktober 1861 als Hahnenjünker beim Grenadier-Regiement 4 ein. Im November 1862 wurde er unter Versetgun des 3. Rhin. Inf.Regiment Nr. 29 zum Seconde-Lieutnant befprdert; dieser Truppe gehörte er bis zuzm Ende siener Dienstzeit an. (...)

c. Namensänderung, Am 22. April 1882 reichen die Söhne Franz Bernhards, die fünf Brüder Aledander, Otto, Eberhard, Albert und Ernst einen Immediatgesuch an Kaiser Wilhelm I. ein, des Wortlautes: "daß Eure Majestät denselben in Gnaden gestatten wollen, sich statt de Claer von nun an von Claer zu nennen". (...)

 

 

Quelle: Familien-Geschichte von Claer, verfasst in den Jahren 1929 bis 1932 von Alexander von Claer, München, neu aufgelegt Frankfurt am Main 1979

 

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1952

Prof. Dr. Heinrich Neu, Die Geschichte der Gemeinde Beuel, 1. Teil,

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ca. 1965 o.O. o.J. Abbildung, Fotografie (Bem.: loses Blatt, Südseite mit Blick auf Scheune und kleine Holzbrücke) "Bonn Beuel-Vilich Wasserburg Lede. Der Turm stammt aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts. Foto: Hellmut Jaeger

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1969

Edith Ennen und Dietrich Höroldt, Kleine Geschichte der Stadt Bonn - Vom Römerkastell zur Bundeshauptstadt, 3. Aufl. 1976 (1967), S. 39f

S. 39 Abb. 13 Zeichnung (Bem.: Ansicht Nord-West). Burg Lede in Vilich. Zeichnung von G. Erkens, 1902. (Landeskonservator Rheinland)

S. 40 Erzstiftisch-kölnische Dienstmannen saßen in Vilich und Geislar. Sitz des Vilicher Minsterialengeschlechts Vilich war die erhaltene Wasserburg Lede. Johann Schilling von Vilich, im späten 14. Jahrhundert ein einflußreicher Rat des Erzbischofs, baute offensichtlich mit erbischöflicher Unterstützung den romanischen Wohnturm des Geschlechts zur mehrflügeligen gotischen Burganlage aus. Sie kam im 15. Jahrhundert durch Heirat an die von dem Bongart, um die Mitte des 16. Jahrhundert an die Blankart. Sie wurde im Truchseßschen Krieg sehr mitgenommen. 1706 erwarb das Stift Vilich die Anlage.

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1971

Paul Swiridoff, Bonn, Verlag Günther Neske, Pfullingen 1971, S. 38, 114 - Swiridoff-Bildbände, Band 23, Aufnahmen und Gestaltung Paul Swiridoff, Schwäbisch Hall, Aufgenommen mit der Rollei SL 66 auf Kodak Plus X und Kodacolor. Einleitung Götz Fehr, Bildtexte Heinrich Lützeler

S. 38 Abb. ganzseitig, Fotografie (Bem.: Ansicht Nord-Ost), im Bilderverzeichnis "Das Wasserschloss Lede bei Schwarz-Rheindorf", S. 114 im Text "Der Judenfriedhof hat auch etwas furchtbar Verlorenes, zumal ihn Pole glückhaften Lebens umgeben: die glanzvolle Fülle der Kirch in Schwarz-Rheindorf und der verwunschene Friede des Wasserschlosses Lede."

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